Die SPD Etzenricht blickt stolz auf 210 Jahre Engagement zurück. Seit der Gründung 1927 hat die Partei bedeutende Meilensteine erreicht, darunter maßgebliche Beiträge zur Gemeindepolitik und soziale Errungenschaften wie die AsF-Gründung.
Etzenricht. Die SPD Etzenricht hat ein Dreifachjubiläum gefeiert. 1927 gründete sich der Ortsverein. 1946 nahmen die Sozialdemokraten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Arbeit wieder auf, und seit 1995 gibt es die SPD-Frauen. Eine umfangreiche Sammlung alter Dokumente und handschriftlich erstellter Protokollbücher ermöglicht eine sehr gute und vollständige Rückschau auf die vergangenen Zeiten.
Die Daten zeigen weitere wichtige Etappen in der Geschichte des Ortsvereins in den letzten Jahrzehnten. Insgesamt werden 210 Jahre gefeiert. Diese Zahl setzt sich aus fast 100 Jahren seit der Neugründung, 80 Jahren seit der Wiedergründung und 30 Jahren seit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) zusammen. Der Rückblick beginnt mit dem Gründungsprotokoll vom 3. September 1927.
Von Sozialdemokratie überzeugt
Entgegen dem Zeitgeist in der Nation und den Nachbarstaaten ließen sich die Protagonisten von den sozialdemokratischen Grundgedanken überzeugen. In dieser historischen Phase litt Europa unter der Gewaltherrschaft des Diktators Stalin (Generalsekretär der Kommunistischen Partei 1922 bis 1953) und der NSDAP (gegründet 1920), die zunehmend in Deutschland dominierte.
Trotzdem oder gerade deswegen entschlossen sich einige mutige Etzenrichter, eine demokratisch orientierte Partei auf Ortsebene zu gründen. Otto Marx, Heinrich Paulus, Johann Götz und Johann Uschold führten die Gruppe an, die zu Beginn 16 Mitglieder umfasste. Im Jahr 1929 stellte die Partei erstmals eine Kandidatenliste für die Gemeinderatswahl auf. Die wohl schwärzeste Stunde schlug am 22. Juni 1933 mit dem Verbot der SPD durch die Nationalsozialisten. Es folgten zwölf Jahre brauner Diktatur und Unterdrückung.
Heinrich Paulus gibt neue Impulse
Heinrich Paulus, der im Dorf populäre und willensstarke Gastwirt, stand zum zweiten Mal als Pate für die Partei. Mit ihm an der Spitze erhielt am 6. Januar 1946 der örtliche SPD-Ableger neues Leben. Der "Heiner" hatte bereits 1930 dem Männergesangverein neue Impulse gegeben. Eine stolze Anzahl von 40 SPD-Mitgliedern aus dem kleinen Dorf gehörte der Partei auf Ortsebene an.
1946 stimmte die SPD-Fraktion der Entnazifizierung zu und leistete anschließend wichtige Beiträge zur Gemeindepolitik. Einzelbeispiele dafür waren die vielfältigen Anträge zur grundlegenden Verbesserung der Wasserversorgung, zur Infrastruktur und zu schulischen Belangen. Mit einer langen Liste an konstruktiven Anträgen bewies die SPD-Fraktion in den folgenden Jahrzehnten, dass sie auch in der Opposition Verantwortung übernehmen konnte. Die Wähler honorierten dieses Engagement.
Ab 1984 stellte die SPD mit Herbert Dorner erstmals den Bürgermeister. In der Periode von 1990 bis 1996 erreichte die SPD mit sechs Gemeinderatsmandaten und dem Bürgermeister die absolute Mehrheit im Gremium. Ein Novum war, dass in dieser Zeit zwei SPD-Frauen, Getraud Eichmann und Marieluise Krauß, in den Gemeinderat einzogen.
Einwohnerzahl steigt
Die Schuldenlast, die 1984 übernommen wurde, baute die Gemeinde zügig ab. Viele eigene Ideen konnten verwirklicht werden. Mit der Erschließung von Bauland in den Gebieten "Am Wassergraben", "Schustergasse 2" und "Am Steigacker" förderte die Gemeinde eine gesunde Weiterentwicklung und das Wachstum des Ortes. Dies spiegelte sich in einem Anstieg der Einwohnerzahl von 1 330 auf 1 740 wider. Die Dorferneuerung wurde in Angriff genommen, Feuerwehr und Bauhof optimiert. Schule und Kindergarten konnten mit Gemeindemitteln generalsaniert werden.
Mit dem Erwerb von Bauland für den Tennisclub und der Unterstützung des Siedlerbundes förderte die SPD-Fraktion das Vereinsleben nachhaltig. Sie stellte auch sorgfältig abgewogene finanzielle Mittel für verschiedene Um- und Neubauten bereit. So steht es in den Protokollen des Ortsvereins.
Nach dem Wechsel im Bürgermeisteramt 2002 und dem knappen Ergebnis in der Stichwahl ging die SPD mit vier Sitzen in die folgende Periode und unterstützte den neuen Bürgermeister Martin Wallinger von der CSU mit Offenheit und Solidarität in jeder Beziehung. Speziell Vorgänger Herbert Dornen lieferte "Fairplay" ab und lebte seine Zusage für Kooperation und Geschlossenheit.
2012 übernahm Schregelmann
Viel zu früh verstarb Wallinger, und ab September 2012 übernahm der amtierende Bürgermeister Martin Schregelmann seine Nachfolge. Ab 2014 sorgten die Wähler für neue Mehrheitsverhältnisse, die SPD-Fraktion umfasste drei Mandate. Wichtig sei es laut Fraktionssprecher Rudolf Teichmann für die SPD-Mitglieder, dass alle Anträge unabhängig von den Antragstellern geprüft und entschieden werden. Diskussion und Moderation würden dadurch gefördert. Bei der Wahl 2026 erhielt die SPD drei Sitze im Rat.
In den Siebziger- und Achtzigerjahren lag die Zahl der Mitglieder bei etwa 50, Anfang der 1990er Jahre knapp unter 100. Nach der erfreulichen Gründung der AsF, die 2023 in SPD-Frauen umbenannt wurde, betrug der Anteil weiblicher SPD-Mitglieder fast 30 Prozent. Gertraud Eichmann, eine Tochter des Gründers "Paulus-Heiner", war die Geburtshelferin und Initiatorin. Mehr als 20 Frauen kamen zum Start im Gasthaus Hermann zusammen. Für die Kommunalwahl 2026 kandidierten sieben Frauen und fünf Männer. Laut Moni Waldeck und Ralf Teichmann, den aktuellen Vorsitzenden, ist die Damenriege eine tragende Säule bei allen Veranstaltungen.
von Rudi Walberer